Digitalisierung des Arbeitsmarktes: Wohlstandssteigerung oder Wegfall von Arbeitsplätzen

Allgemein könnte man die Digitalisierung des Arbeitsmarktes als Automatisierung des Produktions- und Kommunikationsprozesses mit Hilfe von Maschinen, Software und digitalen Systemen beschreiben. In der Realität zeigt sich die Digitalisierung des Arbeitsmarktes in verschiedensten Formen. Ob sie zu einer Wohlstandssteigerung oder zum Wegfall von Arbeitsplätzen und der Zunahme sozialer Ungerechtigkeit führt, kann man nicht abstrakt sagen. Sinnvoll erscheint es einzelne Erscheinungsformen der Digitalisierung zu betrachten:

 

Wohlstandssteigerung durch neue Unternehmen? Mit der Digitalisierung entstehen neue Unternehmen. Einige deshalb, weil die Digitalisierung neue Aufgaben mit sich bringt, z.B. die Entwicklung von Software und die Produktion entsprechender Hardware. Andere Unternehmen versetzen bereits bekannte Tätigkeitsfelder in die digitale Welt: sie vermitteln beispielsweise Wohnungen, Mitfahrgelegenheiten oder Arbeitskräfte über online-Plattformen.

Die Gründung neuer Unternehmen führt selbstverständlich zur Entstehung neuer Arbeitsplätze. Deshalb könnte man von einer Wohlstandssteigerung sprechen. Andererseits wird ein neu entstehender Arbeitplatz nicht zwangsläufig mit einer zuvor arbeitslosen Arbeitskraft besetzt. Oft werden auch anderswo beschäftigte Arbeitnehmer abgeworben, weil es z.B. keinen adäquat ausgebildeten arbeitslosen Bewerber gibt. Das liegt sogar sehr nahe. Dann kann es zu Wohlfahrtsverlusten kommen, da das andere Unternehmen möglicherweise an Produktivität einbüßt. Dieses „Absaugen“ von Arbeitnehmern kann ein Unternehmen nur durch Steigerung der eignen Attraktivität verhindern. Das wiederum würde aber bedeuten, dass der neu geschaffene Arbeitsplatz unbesetzt bleibt. Neue Arbeitsplätze bedeuten also auf den zweiten Blick nicht zwangsläufig eine Wohlstandssteigerung.

Eine Wohlstandssteigerung durch neue Unternehmen liegt aber unter einem anderen Gesichtspunkt nahe: die Vermittlung von Arbeitskräften über neue digitale Plattformen wie Xing oder LinkedIn vereinfacht den Matchingprozess zwischen Unternehmen und potentiellen Arbeitnehmer erheblich. Das führt zu einer Kostenersparnis bei Arbeitgeber und Arbeitnehmer (z.B. Recherchekosten). Gleichzeitig entstehen auch bessere Matches: der Arbeitgeber findet den am besten auf die Arbeitsstelle „zugeschnittenen“ Arbeitnehmer und der Arbeitnehmer die am besten geeignete Arbeitsstelle. Das führt dazu, dass die Arbeitnehmer effektiver arbeiten und so letztlich zu einer Produktivitäts- und Wohlstandssteigerung. Allerdings kann der große Pool an Bewerbern auch ein Nachteil dieser Plattformen sein, da großer Wettbewerbsdruck unter den Bewerbern entsteht. Das kann zumindest mittelbar auch Wohlstandsverluste zur Folge haben.

 

Wohlsttandssteigerung durch neue Kommunikationsmöglichkeiten? Digitalisierung vereinfacht Kommunikation. Viele Prozesse in einem Unternehmen erfodern Kommunikation. Ist also vereinfachte Kommunikation gleichbedeutend mit vereinfachtem und damit effektiverem Arbeiten? Theoretisch ja, praktisch (heute) wohl (noch) nicht. Digitale Kommunikation ist schnell und ermöglicht es viele Adressaten zu erreichen. Das sind große Vorteile. Das kann aber auch ein großer Nachteil sein, da digital häufig „falsch“ kommuniziert wird. Das zeigt ein einfaches Beispiel: der Vorgesetzte V will dem Untergebenen U einen Arbeitsauftrag erteilen. Weil er denkt, dass der U Hilfe benötigen wird, adressiert V die Mail auch an den W. Außerdem meint V, dass sich sein Chef C für die Sache interessieren könnte und setzt diesen deshalb „ins CC“. Tatsächlich benötigt U weder Hilfe, noch interessiert sich C für die Sache. Das wusste V eigentlich, ließ es aber außer Acht, weil „eine Mail leicht verschickt ist“. Schon in dieser einfachen Sache mussten zwei Arbeitskräfte (W und C) Zeit darauf verschwenden die Mails zu lesen. Stellt man sich diese Situation nun vervielfacht vor, so wird klar, dass durch falsche digitale Kommunikation Effektivität in Unternehmen verloren geht. Eine Wohlstandssteigerung bleibt so aus. Im Extremfall kann es sogar zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen. Dieses Problem kann leicht durch die Unternehmen selbst gelöst werden, nämlich durch Weiterbildungsmaßnahmen zum Umgang mit digitaler Kommunikation.

Die Digitalisierung der Kommunikation könnte aber unter einem anderen Gesichtspunkt zu Wohlstandssteigerung führen. Sie erhöht die Mobilität von Arbeitskräften. Diese können z.B. „von zuhause aus“ arbeiten. Dadurch können Arbeit und Freizeit freier gestaltet werden, sodass der soziale Wohlstand steigt. Die Kehrseite ist, dass Unternehmen, die im Bereich der „realen Mobilität“ tätig sind (Autohersteller, ÖPNV etc.) Kunden verlieren. Das kann wiederum zum Wegfall von Arbeitsplätzen führen.

 

Wegfall von Arbeitsplätzen durch den Austausch von Mensch gegen Maschine? Wenn zunehmend Roboter statt menschliche Arbeitskräfte eingesetzt werden, so hat das auf den ersten Blick zur Folge, dass Arbeitsplätze wegfallen. Das ist aber schon auf den zweiten Blick sehr viel komplizierter. Viele Arbeitsplätze werden stattdessen verlagert: aus dem Fließbandarbeiter beim Autohersteller wird ein Fließbandarbeiter bei einem Roboterhersteller, aus diesem ein Softwareentwickler usw. In vielen Fällen kann natürlich nicht dieselbe Person ohne weiteres vom einen auf den anderen Arbeitsplatz versetzt werden. Manchmal wird eine Umqualifikation möglich sein. Manchmal geschieht die Verlagerung über den Generationswechsel: ein Fließbandarbeiter geht in den Ruhestand, ein Softwareentwickler wird eingestellt. Klar ist also, dass man die Digitalisierung nicht pauschal als Arbeitsplatzvernichter hinstellen kann. Die Herausforderung wird es sein, die Aus-/Weiterbildung von Arbeitskräften richtig zu steuern, sodass keine „falschen“ Kapazitäten und damit Arbeitslosigkeit entsteht. Hier sind sowohl die Untenehmen, als auch der Gesetzgeber gefragt. Unternehmen müssen den künftigen Bildungsbedarf kommunizieren, sowie selbst weiterbilden und auch Finanzmittel aufbringen. Der Gesetzgeber muss mit den Mitteln der Bildungspolitik entsprechend steuernd eingreifen. Dabei muss – und das wird eine erhebliche Schwierigkeit darstellen – die besondere Schnelllebigkeit der digitalen Wirtschaft berücksichtigt werden. Soweit man das heute abschätzen kann, wird die Bedeutung „moderner Fähigkeiten“ (Kreativität, Team- und Kommunikationsfähigkeit, geistige Flexibilität, Innovativität etc.) weiter stark zunehmen. Die „klassischen Fähigkeiten“ (Wiederholen erlernter Prozesse, Fachwissen etc.) werden dagegen (zumindest relativ) an Bedeutung verlieren.

 

Als Ergebnis lässt sich festhalten: das Bewerten der ökonomischen und sozialen Konsequenzen der Digitalisierung des Arbeitsmarktes ist schwierig. Es ist oft nur ein Wägen und Gewichten von Vermutungen und Thesen. Die Digitalisierung des Arbeitsmarktes bringt zahlreiche Probleme mit sich. Lösungsansätze lassen sich nur bedingt formulieren. Klar ist, dass die neu entstehende digitale Wirtschaft auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt rechtliche Rahmenbedigungen braucht. Hierbei ist die Rolle des Gesetzgebers entscheidend: Er muss soziale Sicherheit schaffen, die dem ökonomischen Erfolg nicht im Wege steht. Es muss eine Balance zwischen marktpolitischen und sozialpolitischen Regelungen geben. Die Einzelheiten sind hier eine Frage des politischen Willens.

Die Digitalisierung des Arbeitsmarktes ist ein vielschichtiges Thema, das die Gesellschaft bewegt. Es gibt Vorurteile, Unwissenheit und Angst vor der künfitgen Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Aktuell beschäftigt sich auch die ARD in Kooperation mit anderen regionalen Rundfunksender im Rahmen der ARD-Themenwoche 2016 mit dieser Thematik. Unter dem Titel „Zukunft der Arbeit“ wird die Digitalisierung des Arbeitsmarktes in Dokumentationen und Spielfilmen behandelt (vgl. http://www.ard.de/home/intern/presse/pressearchiv/ARD_Themenwoche_2016___Zukunft_der_Arbeit_/3135958/index.html).

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12 Kommentare zu „Digitalisierung des Arbeitsmarktes: Wohlstandssteigerung oder Wegfall von Arbeitsplätzen

  1. Hallo @organisation2016,

    im großen und ganzen finde ich, dass ihr die Entwicklungstendenzen gut beschrieben und jeweils beidseitig beleuchtet habt (Flexibilität versus Verlust an Arbeitsplätzen etc.). Einige Punkte halte ich dennoch für nicht sehr wahrscheinlich. So denke ich nicht, dass ein Kampf um Mitarbeiter zwischen neuen und bestehenden Unternehmen entstehen und zu einem „Absaugeffekt“ führen wird. Nehmen wir jedoch an, dass dieser Fall eintreten sollte, so sehe ich hier kein Problem, sondern eine ganz klare Wohlstandssteigerung: der Kampf der Unternehmen um Mitarbeiter würde in der Schaffung besserer Arbeitsbedingungen innerhalb der Unternehmen resultieren, um Mitarbeiter abzuwerben. Dieses Szenario hört sich eher nach einem Jobboom, also nach einer Utopie an.

    Auch den Stellenabbau durch zu viel (falschen) E-Mail-Verkehr halte ich für sehr unwahrscheinlich. Und selbst, wenn dieses Szenario eintreten würde, wäre das Problem hier ja weniger eines der Digitalisierung/digitalen Kommunikation, sondern viel mehr eines der unklaren Struktur innerhalb der Organisation, oder wie seht ihr das?

    Liebe Grüße,
    Wladimir (@organizationalstudies2016, Team 20)

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  2. Hallo Wladimir,

    du hast Recht: ein „Absaugeffekt“ scheint zunächst lediglich eine Wohlstandssteigerung mit sich zu bringen. Der Wettbewerb um DIE gesuchte Arbeitskraft verbessert Arbeitsbedingungen und Einkommen. Für die Arbeitskraft verbessert sich die Lage und der Wohlstand steigt. Jedoch kann man die Situation auch aus Sicht der konkurrierenden Arbeitgeber betrachten. Um ihre Attrakitivität für Bewerber zu erhöhen, müssen Sie kostenintensiv investieren. Kann ein Unternehmen trotz seiner Bemühungen den Bewerber nicht von sich überzeugen, sind seine Investitionen „verloren“. Kann ein Unternehmen hingegen DIE Arbeitskraft abwerben, hat das zur Folge, dass beim konkurrierenden Unternehmen eine positionsadäquat ausgebildete Arbeitskraft verloren geht. Das führt zu Produktivitätsverlusten und damit Wohlfahrtsverlusten.
    Ob in diesem Fall eine Wohlstandssteigerung eintritt, hängt also vom Verständnis des Begriffes Wohlstand ab. Zudem lässt sich eine Aussage über die Intensität der einzelnen Effekte nur bedingt treffen. Man kann lediglich abwägen.

    Auch bei Punkt zwei hast Du Recht: die Überforderung von Arbeitnehmer aufgrund der zunehmenden „Kommunikationsflut“ ist nicht alleine ein Problem der Digitalisierung. Auch ohne Email & Co. kann es hier zu Problemen kommen. Ein Beispiel ist die extensive Nutzung eines Hauspostdienstes in einem Unternehmen oder einer Behörde. Unterlagen etc. werden an Personen verschickt, weitergeleitet usw., die nicht zuständig sind oder kein Interesse haben. Oft wird damit auch noch die Entscheidungslast und Verantwortung „mitverschickt“. Das passiert – wie bei den oben erwähnten Emails – weil es einfach und bequem ist. In der Konsequenz werden die Empfänger mit Sendungen überhäuft. Deren Bearbeitung beansprucht Zeit. Also bleiben die eigentlichen Aufgaben des Empfängers liegen. Es kommt zu Produktivitätseinbußen und damit Wohlfahrtsverlusten (und im Extremfall fallen dann Arbeitsplätze weg). Das Problem ist also zunächst kein Problem der Digitalisierung. Jedoch verstärkt die Digitalisierung das Ausmaß des Problems wesentlich. Die digitalisierte Kommunikation ist nämlich noch leichter. Ich habe das selbst schon bei einem Praktikum erlebt: obwohl meine Kollegen und ich konzentriert gearbeitet haben und laufend Emails bearbeitet und beantwortet wurden blieben am Ende des Tages bei jedem oft fast 100 Emails ungelesen „liegen“. Das wurde von vielen als belastend empfunden und wirkte sich so negativ auf Motivation und Produktivität aus.

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    1. Hallo Stefanie,

      wie du richtig sagst, sind viele Mitarbeiter mit der Beantwortung von E-Mails aufgrund der Menge an E-Mails, die sie bekommen, häufig überfordert. Ich habe in einem Praktikum die Erfahrung gemacht, dass man häufig in den E-Mail-Verkehr bestimmter Themen einbezogen wird, obwohl die Anfangsemail als Information völlig ausgereicht hätte und die weitere Konversation über das Thema nur noch für ausgewählte Mitarbeiter, die nicht in CC waren, interessant war.

      Das Unternehmen, bei dem ich arbeitete, hat sich daher entschlossen, ein Business-Netzwerk ähnlich Facebook einzuführen. Hierbei soll die Kommunikation ähnlich wie hier auf WordPress ablaufen. Jemand postet einen Eintrag und die anderen Mitarbeiter sollen in Form von Kommentaren darauf reagieren. Jeder Mitarbeiter, der über das Thema informiert bleiben möchte, kann die Benachrichtungen dazu einstellen bzw. falls das Thema uninteressant für ihn ist, ausstellen. Somit wird die Anzahl an E-Mails deutlich reduziert.

      Für uns Digital Natives erscheint diese Lösung zwar einfach, aber man sollte auch an die ältere Generation denken, die nicht mit Facebook und Co. aufgewachsen ist. Diese fühlen sich wiederum möglicherweise von dieser Kommunikationsform überfordert. Um dem entgegenzuwirken, sind daher Weiterbildungsmaßnahmen erforderlich.

      Somit zeigt sich, dass die Einführung neuer Kommunikationstechnologien zwar hilfreich sein kann, aber durchaus mit einigen Problemen aufgrund verschiedener Generationen verbunden. Daher stimme ich euch zu, dass sich Lösungsansätze bezüglich der Digitalisierung des Arbeitsmarktes „nur bedingt formulieren lassen“.

      Liebe Grüße,
      Jessica

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  3. Hallo liebe Gruppe,

    vielen Dank für den gelungenen Beitrag!
    Ich finde den von euch genannten Gesichtspunkt der Wohstandssteigerung durch digitale Plattformen wie XING oder LinkedIn besonders interessant. Ich stimme euch voll und ganz zu, dass hierdurch der Matchingprozess zwischen Unternehmen und potentiellen Arbeitnehmer erheblich vereinfacht wird.
    Meiner Meinung nach stellt das sogenannte “Active Sourcing“ mithilfe von digitalen Business-Netzwerken einen sehr wichtigen Bestandteil der modernen Personalbeschaffung dar. Im Zuge des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels in den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik – In-formatik – Naturwissenschaften – Technik) konnte eine starke Entwicklung vom sogenannten “Post-and-Pray-Prinzip“, dem Schalten von Stellenanzeigen im Internet und Warten auf eingehende Bewerbungen, hin zur proaktiven Kandidatensuche und -ansprache über XING, LinkedIn und Co. beobachtet werden.
    Die Vorgehensweise beim Active Sourcing über diese digitalen Plattformen scheint mir im Vergleich zu anderen Rekrutierungsmaßnahmen aus folgenden Gründen sehr effektiv, zielgerichtet und kostengünstig. Mit effizientem Active Sourcing können Unternehmen ihre Time-to-Hire, die Zeit, die zwischen der Ausschreibung einer Stelle und der Vertragsunterschrift durch den Bewerber vergeht, verkürzen. Personaler haben außerdem die Möglichkeit, mithilfe von Active Sourcing schneller auf personelle Engpässe zu reagieren, da sie auf ihren akkumulierten Talentpool zurückgreifen können. Des Weiteren lässt sich die Zeit, die die Suche nach neuen Mitarbeitern kosten würde, durch Active Sourcing deutlich reduzieren.

    Liebe Grüße,

    Franzi
    (Team Bloggster34)

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  4. Hallo liebes Team organisation1216Blog,

    ich finde euren ersten Blogeintrag treffend und nachvollziehbar. Die Beleuchtung der einzelnen Aspekte sowie die Ausarbeitung deren Einflüsse auf eine mögliche Wohlstandssteigerung bzw. auf den Wegfall von Arbeitsplätzen finde ich durchaus sinnvoll und verständlich. Eure Darstellung zum Punkt Wohlstandssteigerung durch neue Unternehmen kann ich bejahen, jedoch nur teilweise. Natürlich entstehen durch neue Unternehmen auch freue Arbeitsplätze, welche jedoch nicht zwangsläufig mit bisher Arbeitslosen besetzt werden, wie auch von euch schon dargestellt. Für mich wichtiger ist der Aspekt der online Arbeitsstellenvermittlung, wie es beispielsweise über Job- bzw. Bewerberportale im Internet geschieht.
    Ich persönlich beobachte immer mehr, dass Unternehmen ihre freien Stellen bevorzugt und verstärkt in Onlineportalen veröffentlichen. In meiner bisherigen Berufserfahren war ich in der Personalabteilung tätig und hatte vorrangig die Aufgabe für einen reibungslosen Bewerbungsablauf zu sorgen. Die ersten Schritte waren immer die online Veröffentlichung der Stellen. Erst wenn dadurch keine passenden Bewerbungen eingingen, wurde in den lokalen und überregionalen Zeitungen inseriert.

    Zum Aspekt Wohlstandssteigerung durch Kommunikationsmöglichkeiten: Ich stimme Wladimir Fuhrmann zu, ich halte es ebenso für sehr unwahrscheinlich, dass ein vermehrter E-Mailverkehr zu einem Stellenabbau führt. Der Gedanke hinter den meisten „sinnlosen“ E-Mails ist, dass es eine Zeitersparnis ist, einfach schnell eine E-Mail zu tippen, und die vermeintlich betreffenden Personen in CC oder BCC zu setzten. In meiner Praxiserfahrung konnte ich selbst miterleben, dass E-Mails vom Nachbarbüro kamen, um sich den Weg bzw. ein Telefonat zu sparen. Meiner Meinung nach hat dieses Verhalten sogar einen weiteren negativen Effekt, nämlich den, dass das „Zwischenmenschliche“ abnimmt bzw. irgendwann ganz wegfällt und somit die zwischenmenschlichen Beziehungen der Mitarbeiter leiden.

    Liebe Grüße
    Claudia vom Team OrgaBlog 24

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  5. Hallo liebe Gruppe Organisation 1216Blog,

    mir hat euer Beitrag zu den Auswirkungen der Digitalisierung für den Arbeitsmarkt gut gefallen. Durch das Anführen der drei unterschiedlichen Bereiche Unternehmensgründung, Kommunikation und Arbeitsplätze und deren Veränderung durch die fortschreitende „Industrie 4.0“ gebt Ihr dem Leser einen interessanten Einblick, wie sich die Arbeitswelt in Zukunft verändern könnte.
    Besonders spannend finde ich die Überlegung wie und ob die sich neu entfaltenden Kommunikationsmöglichkeiten durch die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), wie Skype, E-mails oder die allgemeine Nutzung von Smartphones, Tablets oder Laptops für die Erledigung von Arbeit, zu einer Wohlstandssteigerung (Utopie) führt. Wenn man unter Wohlstand nicht nur den monetären Aspekt sieht, sondern auch Bereiche wie Mitarbeiterzufriedenheit, Work-life Balance oder Gesundheit zählt, so könnte die Digitalisierung eher dazu führen, dass Arbeit im allgemeinen an negativen Aspekten gewinnt. Euer Beitrag spricht bereits die zunehmende Informationsflut an, die zu Effizienzeinbußen und wie Stefanie im zweiten Kommentar erwähnt, demotivierend für die Mitarbeiter sein kann. Sicher, IKT ermöglichen flexibles und mobiles Arbeiten. Dies kann jedoch auch dazuführen, dass eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit schwieriger wird. Die ständige Erreichbarkeit und Ausdehnung der wöchentlichen Arbeitsstunden können zu psychischen Belastungen führen. Auch dem von Claudia angesprochenen Aspekt, dass „die zwischenmenschlichen Beziehungen der Mitarbeiter leiden“ kann ich nur zustimmen. Fraglich ist, ob das ausschließliche Arbeiten in virtuellen Teams oder via dem Medium Computer, Arbeit nicht zu etwas sehr abstraktem werden lässt, was den Aufbau einer starken, langfristigen Beziehung zu Kollegen und der Organisation als Ganzes erschwert? Somit letztlich die Digitalisierung zu einem negativeren, zukünftigen Bild von Arbeit führt.
    Ich bin gespannt, ob Ihr meine Ansicht teilt oder anderer Meinung seid?

    Liebe Grüße
    Karin Zimmermann von Gruppe37site

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    1. Hallo Karin,

      danke für dein Feedback!
      Wie du selbst schon schreibst ist die Digitalisierung (auch) in einer nicht-monetären Sichtweise ein zweischneidiges Schwert.
      Sie bietet das Potenzial, vormals in langen Meetings oder umständlichen Zusammenkünften von Mitarbeitern aus den verschiedensten Bereichen stark zu vereinfachen. Dieser kürzere Dienstweg und die kurze Reaktionszeit kommen nicht nur dem Unternehmenserfolg zu Gute sondern haben auch das Potenzial, die Work-Life-Balance zu verbessern. Aber natürlich ist es auch so, dass mit dem Mailverkehr üblicherweise nicht um Punkt 16 Uhr Schluss ist. Es verlagert sich also Arbeit auch in den Freizeitbereich.

      Das alles kann man als Anzeichen dafür sehen, dass diese klare Trennung zwischen Work und Life eventuell bald nicht mehr zutreffend sein wird. Viele Menschen werden immer in Kontakt mit ihrer Firma sein, dafür aber beispielsweise mehr Zeit im Home Office verbringen können. Welcher Faktor überwiegt ist wohl auch eine Frage, die nur jeder individuell beantworten kann.

      Fest steht: Technologischer Wandel setzt oft auch einen gesellschaftlichen Wandel in Gang. Wie wir mit den neu gewonnenen Möglichkeiten umgehen ist heute noch unklar.
      Eventuell werden Freundschaften in Firmen aufgrund des Einsatzes von IKT seltener werden und der Freundeskreis setzt sich stärker aus Privatbekanntschaften zusammen. Auch dies kann wieder positive und negative Effekte auf das Arbeitsklima haben, dessen Wichtigkeit und Präsenz selbst ebenfalls zukünftig in Frage gestellt werden konnte.

      Vielen Dank für dein Interesse!
      Bert Winke

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  6. Guten Morgen zusammen,

    mit eurem Beitrag habt ihr sehr viele wichtige und richtige Punkte angesprochen. Besonders schön finde ich, dass ihr den Bereich der neuen Kommunikationsmöglichkeiten berücksichtigt. Ihr sprecht damit – wie ich finde – einen wirklich zentralen Aspekt an.

    Besonders gefallen haben mir in der vorangegangenen Diskussion Claudias Aussagen bezüglich der Gefahr des Verlustes der zwischenmenschlichen Beziehungen und Karins kritische Sicht auf die Konsequenzen für die Work-Life-Balance. Dem stimm ich zu! Meiner Meinung nach passt dies auch sehr gut zur Frage nach dem Wohlstandseffekt. Denn die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) definiert einen Wohlstand im weiteren Sinne (Link siehe unten) im Bezug auf „die Lebensqualität“ bzw. „das persönliche Wohlbefinden“ eines Menschen.

    Als Hinweis für diejenigen, die sich näher damit beschäftigen möchten: Die zunehmende Belastung, besonders auch durch den steigenden Email-Verkehr – wie im Beitrag und den Kommentaren mehrfach angesprochen wurde – , bestätigt auch das von der bpb veröffentliche Paper APuZ (Aus Politik und Zeitgeschichte) vom Mai 2016 auf Seite 42 ff. (Link siehe unten). Ab Seite 39 findet ihr allgemein interessante Ergebnisse zur digitalen Kommunikation am Arbeitsplatz.

    Aus eigener Erfahrung kann ich auch sagen, dass „Home Office“ sehr viele Vorteile hat, aber leider auch einige Nachteile mit sich bringt. Schon alleine das Wissen, dass man grundsätzlich ständig erreichbar ist, auch wenn man konkret gar nicht kontaktiert wird, lässt einen gewissen Druck bzw. die Erwartung, dass man doch bald wieder kontaktiert werden könnte, steigen. Zudem hab ich schon mehrfach schlechte Erfahrung mit Emails gemacht, die „einfach mal so, weils ja einfach ist“ geschrieben wurden und unnötig viel Aufwand und Stress mitgebracht haben.

    Interessant fand ich aber Jessicas Schilderung einer innovativeren Kommunikationsform (Business-Netzwerk) bei ihrem Arbeitgeber. Das find ich sehr spannend. Führt das zu den gewünschten positiven Effekten? Steht man hier nicht unter Druck, überall informiert zu sein bzw. zu bleiben, um nichts zu verpassen?

    Beste Grüße,
    Florian (Gruppe 20)

    Link APuZ:
    http://www.bpb.de/apuz/225683/arbeit-und-digitalisierung

    Link bpb zu „Wohlstand“:
    http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/21170/wohlstand

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    1. Hallo Florian,
      vielen Dank für den ausführlichen Kommentar!

      Ein Business-Netzwerk, mit dem alle Mitarbeiter arbeiten können, hat natürlich den großen Vorteil einer niedrigen Response-Zeit. Will man Dinge schnell geklärt haben, lässt sich so alles nötige in Minuten abschließen – selbst, wenn viele Mitglieder in eine Aufgabe involviert haben. Wir als Studenten in der Vorlesung Organisational Behaviour sind ja in einer ganz ähnlichen Situation. Und ich bin sicher, auch eure Gruppe hat sich ein Business-Netzwerk in Form einer Whatsapp- oder Facebookgruppe erstellt, um schneller und konfliktfreier handeln zu können.

      Bei wenigen Projekten überwiegen die Vorteile auch deutlich. Nur sind deine Sorgen bezüglich des Informationsdruckes nun auch nicht unberechtigt. In größeren Organisationen können schnell sehr viele neue Beiträge in einer Gruppe veröffentlicht worden sein, sodass man nach einer kurzen Offline-Phase ersteinmal lange zurückscrollen muss, um sich auf den neusten Stand zu bringen. Sollte den Mitarbeitern die Involvement-Struktur des Unternehmens in einem Projekt überdies nicht klar sein, werden sie dazu neigen, ihre Fragen oder Anregungen in möglichst großen Gruppen zu posten. Eine ähnliche Tendenz sehen wir ja schon bei Mail-CCs.

      Um dies zu vermeiden ist es also wichtig, dass die Kontakte für den einzelnen Mitarbeiter sehr klar sind und allgemein bewusst mit dem Business-Netzwerk umgegangen wird um unnötige Postings und das Zeitstehlen uninvolvierte Mitarbeiter zu vermeiden.

      Ich hoffe, ich konnte unsere Einschätzung zu deiner Frage transportieren! Alles Gute.

      Bert Winke

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  7. Hallo Team Organisation1216,
    Hallo Jessica,
    Hallo Florian,

    das Praxisbeispiel von dir, Jessica, finde ich extrem interessant und in dieser Form habe ich ein Business-Netzwerk noch nicht kennengelernt. Der Grundgedanke, unnütze E-Mails durch ein solches Netzwerk zu reduzieren scheint mir recht plausibel und umsetzbar. Jedoch finde ich auch, dass der Aspekt der „älteren Generation“ auf keinen Fall hierbei vernachlässigt werden darf. Diese könnten sich eventuell „übergangen“ fühlen und somit negative Stimmung verbreiten und das Business-Netzwerk schlecht reden. Dem mit Schulungen entgegenzuwirken finde ich dringend notwendig. Wobei man hier Kosten und Nutzen abwägen müsste. Schulungen verursachen Kosten und benötigen Zeit, Unnütze E-Mails kosten ebenfalls Zeit, welche sinnvoller genutzt werden könnte, die Einführung eines Business-Netzwerkes nimmt ebenfalls Zeit in Anspruch und bedeutet eventuell sogar Ausfallzeiten. Also müsste individuell abgewogen werden, ob die Einführung eines solches Netzwerkes sinnvoll ist. Langfristig gesehen kann ich mir dieses System sehr gut vorstellen aber kurzfristig sehe ich keinen sehr großen Erfolg.
    @ Florian: Deine Anregungen bezüglich des ständigen Dranges up-to-date sein zu wollen und alles im Netzwerk zu lesen, sehe ich auch als Problem. Dies kostet in meinen Augen ebenso wertvolle Arbeitszeit wie das lesen und löschen von „unnützen und überflüssigen“ E-Mails. Um positive Effekte erreichen zu können, müsste in solchen Business-Netzwerken eine klare Struktur für die betreffenden Personen bzw. Abteilungen herrschen. Beispielsweise werden die Beiträge nur für bestimmte Arbeitnehmer freigeschaltet bzw. sichtbar, um andere nicht unnötig von der Arbeit abzulenken und abzuhalten.
    Außerdem finde ich die Links zur Digitalen Kommunikation am Arbeitsplatz, die du online gestellt hast sehr passen und interessant. Einige Aspekte darin bringen einem zum nachdenken, wie es eigentlich in der eigenen bisherigen Praxiserfahrung abgelaufen ist.

    Denkt ihr, dass solche Business-Netzwerke immer stärker im Kommen sind? Oder ist der Arbeitgeber von Jessica hier einer der wenigen Vorreiter?

    Liebe Grüße
    Claudia vom Team OrgaBlog 24

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    1. Hallo Claudia!

      Bei den Vermeidungsstrategien von Zeitverbrauch beim lesen irrelevanter Nachrichten sprichst du mir aus der Seele. Wie ich schon Florian geantwortet habe ist hier deutlicher Nachholbedarf da. In einer eventuellen Schulung sollte die Awareness dafür, uninvolvierte Mitarbeiter nicht zu behelligen, auf jeden Fall gesteigert werden.

      Dass diese Business-Netzwerke die Zukunft sind halte ich für relativ wahrscheinlich. Es gibt Vorreiter wie Jessicas Arbeitgeber, es gibt aber auch das Nutzungsverhalten sozialer Medien von Studenten, das einen sehr deutlichen Trend dorthin zeigt. Die Frage, die sich aber auf jeden Fall stellt, ist: Wann werden Business-Networks typisch sein? Und die Antwort darauf hängt mit deiner eingangs beschriebenen Skepsis zusammen: Solange es Generationen von Mitarbeitern gibt, die mit diesen Medien nicht umgehen können oder wollen wird sich dieser Wandel nur schleppend gestalten. Wie du schon sagst kann das Aufzwingen solcher Systeme letztendlich zu Unmut oder gar dem faktischen Ausschluss Einzelner aus dem Unternehmengeschehen bedeuten. Diese Risiken sind für viele Unternehmen mit signifikatem Anteil älterer Mitarbeiter zu hoch, als dass die Vorteile dies aufwiegen könnten. Mit der Zeit wird aber eine Generation in die Arbeitswelt hineinwachsen, die mit diesen Medien vertraut ist, weniger Schulungsaufwand benötigt und vielleicht auch schon effizientere Umgangsformen gelernt hat. Das wird dann die Zeit des Siegeszuges der Business-Netzwerke sein.

      Danke für deine Frage und dein Feedback!

      Bert Winke

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